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Tagebuch | Donnerstag 1. November 2001
"Ruhetag" in Marahau
Heute war ja eigentlich ein Ruhetag vorgesehen gewesen. Warum ich mich dann darauf einließ Seekajak zu fahren wird mir wohl ein Rätsel bleiben. Aber von Anfang an. Kurzfristig hatte ich mich ja entschieden mit den Mädels zusammen Seekajak zu fahren.Wilfried schloss sich auch noch an, da war ich dann wenigstens nicht der einzigste Mann. Treffpunkt war um 8:45 am Bootshaus. Ich war ausgeschlafen, obwohl ich nachts einmal wach geworden war; ein ziemlicher Sturm hatte gewütet.
Früh um 06:00 wollte ich dann noch die Gelegenheit ergreifen, um schon mal am Strand gucken zu gehen wie denn das Wasser ist. Ein Bad in der Tasmanischen See hatte ich mir nämlich für den heutigen Tag schon vorgenommen. Allerdings gelangte ich nicht bis zum Meer.
Ich schlug wohl den falschen Weg ein, jedenfalls führten mich meine Schritte nach etlichen Minuten vor eine Dornenginsterhecke auf der einen Seite und einem kleinen Flusslauf auf der anderen Seite. Ein Weiterkommen war nicht möglich, also machte ich kehrt Marsch. Dadurch kam ich zwar nicht bis ans Meer aber ich hatte einen tollen Blick auf die Berge, die in der aufgehenden Sonne rötliche leuchteten. Das Morgenlicht hatte doch immer wieder etwas grandioses, vielleicht lag es aber auch einfach an der unvergleichlichen Natur um mich herum. So war mein Weg überhaupt nicht umsonst gewesen, denn ich schoss ein paar richtig schöne Bilder.
Das Frühstück nahmen wir bei Kerstin, Simone und Ute ein. Die Drei hatten die größte Hütte, ideal für gemeinsame Essen. Karsten brachte uns dann um 8:30 runter. Aufgeregt war ich ja nun doch schon, denn Kajak fahren und dann noch auf der offenen See war für mich schon ein neue Erfahrung. Als wir ankamen wurden wir freundlich begrüßt. An einem Tisch wo Kaffee, Tee und Säfte bereit standen warteten wir auf unseren Guide namens Tom. Nach einigen Minuten kam er auch. Es folgte eine ausführliche Einführung die gut eine halbe Stunde dauerte. Hinzu kam noch die Zeit bis wir alle richtig angezogen waren, so dass wir uns mit unseren Kajaks auf den Weg zum Meer machen konnten. Beim einschieben der Boote ins Wasser wurde ich dann das erste Mal nass, und es sollte wahrlich nicht das letzte Mal sein. Nach einigen Orientierungsschwierigkeiten ging das paddeln aber dann richtig gut. Auch das Wetter spielte mit und zeigte sich von seiner freundlichen Seite. So konnte ich den Blick vom Wasser auf das Ufer so richtig genießen. Nach einem ziemlich langen Strand fing die Vegetation an bis ans Wasser heran zu reichen. Von Wasser aus konnte man an diesen Stellen nicht mehr an Land gelangen. Die Vorherrschaft an diesen Stellen übernahmen dann Felsen, Büsche und Bäume. In den Bäumen nisteten verschiedene Vögel, die ich leider nicht mal beim Namen kannte. Nach einer Stunde folgte dann die erste kleine Pause. Halbwegs trocken wieder an Land zu gelangen war dann eine Wissenschaft für sich. Auf jeden Fall wurde ich wieder nass. Zumindest hatte ich schon mal Gelegenheit die Temperatur zu prüfen. Mir erschien es fürchterlich kalt. Tom sagte etwas von 12° Celsius und dem konnte ich wohl schon Glauben schenken.
Meine Bereitschaft in die Fluten einzutauchen, um mein in Greymouth gekauftes Jadeamulett zu "reinigen", sank in dem Moment so gegen Null. Na ja, dachte ich mir, aufgeschoben ist ja nicht aufgehoben und vielleicht war es ja auf der Rücktour auch besser, dann fror ich wenigsten nicht mehr solange. Ich beschloss also noch etwas zu warten - in der wagen Hoffnung, das dass Wasser in den nächsten ein, zwei Stunden noch um 10-15 Grad wärmer geworden wäre. Wir nahmen etwas Kaffee zu uns und ein Stück Kuchen und dann ging es auch schon wieder weiter. Ich brauche nicht extra zu erwähnen das dass hineinschieben der Kajaks der Zeitpunkt war, wo ich das dritte Mal nass wurde. Eine Sache hatte sich noch geändert. Ich war vorher mit Wilfried zusammen in einem Boot gewesen. Jetzt fuhr ich zusammen mit Simone. Eine Japanerin die mit unserer Gruppe zusammen fuhr, kam mit dem Lenken nicht ganz zurecht und so wurden wir etwas umgestellt damit die Fahrt doch etwas zügiger voran ging und wir nicht immer auf ein Boot warten mussten. Schon nach dieser relativ kurzen Fahrt musste ich aber feststellen, dass es ganz schön auf die Arme ging und für längere Strecken doch schon der ausgiebigen Übung bedurfte. Neben unserer eintägigen Tour bot der Veranstalter auch mehrtägige Touren an, wo man dann in den kleinen Buchten campierte.
Die Vorstellung war mir aber doch nicht so geheuer, zumal ein Blick in den Himmel andeutete, dass es mit dem Sonnenschein erst mal vorbei sein könnte. Aber noch zog es sich nur zu und es regnete noch nicht. Trotzdem wurde schon wieder auf mein Jadeamulett geschimpft, das angeblich dafür verantwortlich sein sollte. Die nächste Bucht war dann wieder unsere, wo wir anlegten um unseren Lunch einzunehmen. Bevor wir ans ausladen des Lunches gingen führte Tom uns noch durch den Busch einen Berg hinauf wo wir einen herrlichen Überblick über zwei Buchten hatten. Ich konnte es mir nicht nehmen lassen den ganzen Weg Barfuss zu laufen. Den Regenwald so Hautnah zu erleben ist schon etwas besonderes.
Nachdem wir wieder unten am Strand waren und ausgeladen hatten, war ich dann doch fest entschlossen endlich den Sprung ins kalte Wasser zu wagen. Raus aus den Klamotten, Ute den Fotoapparat in die Hand gedrückt und los. Als ich mit den Kopf in das Wasser eintauchte kam es mir gar nicht mehr so kalt vor. Ein, zwei Schwimmzüge und ich war ein Stück vom Ufer weg. Jetzt konnte ich hinauskommen und mich dabei von Ute fotografieren lassen. Ich glaube ja Ute hatte es mit Absicht gemacht. Jedenfalls gelang ihr beim ersten Mal keine Aufnahme. Also musste ich noch mal Anlauf nehmen, mich in die Fluten stürzen und wieder auftauchen um an Land waten zu können. Dann waren endlich die Aufnahmen im Kasten.
Das einpacken konnten wir dann in einer Regenpause erledigen. Mit dem Hereinschieben der Boote hatten wir nun mittlerweile auch schon unsere Übung. Leider missglückte der Versuch mit einem Segel etwas flotter voran zu kommen, dann hätte uns vielleicht ein weiterer Regenschauer nicht so schnell erwischt. Nach einer Weile auf dem Wasser sahen wir nämlich schon die Regenfront auf uns zurollen und wir wurden ein weiteres Mal nass. Mir machte es allerdings nicht mehr soviel aus. Simone dagegen schimpfte wie ein Rohrspatz. Wir machten dann keinen weiteren Stopp mehr sondern paddelten geradewegs gen Heimat. So langsam merkte ich dann auch meine Arme und Beine und den Rücken und die Hände, halt den ganzen Körper. Nach der Landung war ich froh als wir unsere Kajaks zum Bootshaus zurück gebracht und ausgeladen hatten. Ich hatte nur noch einen Gedanken im Kopf, nämlich eine heiße Dusche und dann ins Bett. Mit dem Duschen klappte es auch, nur das Bett musste noch eine Weile warten, denn als ich auf die Terrasse meines Zimmers trat erstreckte sich ein Regenbogen in einer Größe und Leuchtkraft wie ich noch keinen gesehen hatte. Nach einer kurzen Ruhepause die ich mir dann doch noch gönnte trafen wir uns zum Essen gehen. Müde und erschöpft lag ich dann irgendwann in meinem Bett und schlief auch sofort ein.






