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29.7.2010 : 18:47

Tagebuch | Sonnabend, 20. Oktober 2001

Terminal Frankfurt/Main - © 2001
Terminal Frankfurt/Main - © 2001

Der Abflug

Die Nacht vor und der Tag des Abfluges sind doch recht chaotisch bei mir gewesen. Um 05:30 war die Nacht für mich ja schon vorbei und ich fühlte mich noch recht wohl. Das änderte sich schlagartig, als mir klar wurde, dass heute der große Tag war, an dem ich ans andere Ende der Welt aufbrechen würde. Am liebsten hätte ich mich wieder unter meinem Deckbett versteckt und wäre erst wieder hervor gekommen, wenn mein Urlaub vorbei gewesen wäre. Aber was sollte es, ich überwand mich und dachte an die vielen Dinge, die ich noch zu erledigen hatte. Dinge also, die ich noch unbedingt vor dem Abflug auf die Reihe bringen wollte. Dazu gehörten solche Tätigkeiten wie Wohnung renovieren, Website fertig haben, bevor es überhaupt los geht und noch mindestens 4 Boxershorts und 6 Paar Strümpfe besorgen.

Irgendwo über Indien - © 2001

Na ja, zu solchen Ideen sagt man schlicht und einfach PANIK.
Aber immerhin, das mit den Boxershorts und den Strümpfen hatte ich noch auf die Reihe gebracht. Gegen 11:00 kam mein Vater vorbei. Tat mir ganz gut nicht alleine zu sein. Und so konnte ich auch das Geschimpfe meines Vaters aushalten. "Meine Sachen seien ja noch nicht fertig gepackt und außerdem nähme ich ja viel zu viele Sachen mit und ich bräuchte ja ganz andere Sachen und überhaupt, wenn er (mein Vater) verreise, dann ist schon ein Tag vorher alles komplett fertig."
Na ja, ich weiß nicht, vielleicht sind alle Väter so. Nachdem Sylvia und Manfred (ein befreundetes Ehepaar) eingetroffen waren, brachen wir auch gleich auf. Am Flughafen angekommen, tranken wir erstmal in Ruhe Kaffee. Eine Nachfrage am Counter der Lufthansa ergab, dass ich schon eine Maschine früher nach Frankfurt fliegen könnte. Und da ich den Eindruck hatte, mich wollten alle loswerden, flog ich halt schon eine Stunde früher.
Nachdem ich in Frankfurt angekommen war, begrüßte ich zum ersten Mal meine Entscheidung die Business Class gebucht zu haben. Für diese Reisenden gab es nämlich zwei extra Counter und die Abfertigung war eine Minutensache. Danach folgte ich der Einladung in die VIP-Lounge. Dort konnte ich mich in Ruhe von den bisherigen Strapazen der Reise erholen. Die Zeit bis zum Boarding verging schnell. Mein Herz schlug mittlerweile auch schon etwas ruhiger. Dabei geholfen hat mir mit Sicherheit zu sehen, wer noch so alles auf diese weite Reise geht. Eine bunte Mischung sah ich. Alt und Jung, Geschäftsreisende mit Laptop und Globetrotter mit Rucksack und ich Menschenkind mitten drin. Es war unmöglich zu erkennen, wer nur bis Bangkok reiste (wo eine Zwischenlandung geplant war) und wer noch weiter bis Melbourne (hier musste ich umsteigen) oder gar bis Christchurch flog.

 

Beim Einsteigen konnte ich einen Blick in die Economy Class werfen. Dieser kurze Blick reichte mir aus um zu wissen, dass meine Entscheidung hinsichtlich der Buisness Class richtig gewesen war. Ich wurde ganz nach vorne in den Jumbo gelotst. Mein Sitz: 03-A. Ein Fensterplatz. Schnell hatte ich es mir bequem gemacht. Ein Getränk wurde mir gereicht (Mineralwasser), und dann konnte ich erstmal in Ruhe abwarten, bis alle Passagiere und die Ladung verstaut waren und die Türen geschlossen wurden. Ich merkte, dass meine Ruhe doch eher äußerlich gewesen war. Im Innern fieberte ich dem Take Off entgegen. Denn das war der Punkt, wo es dann wirklich kein Zurück mehr gab und ich mich auf dem Weg an das andere Ende der Welt befand. Ja, und plötzlich ging es wirklich los. Die Maschine rollte - wie mir schien, eine Ewigkeit -, stoppte noch einmal kurz um sich nach einer schier endlosen Beschleunigung endlich in den Nachthimmel zu erheben.
In den nächsten Stunden löste sich meine Spannung. Ich genoss den Service und den Blick aus dem Fenster. Ich wusste zwar nicht genau, welche Lichter ich am nächtlichen Boden erblickte, aber beeindruckt war ich allemal. Zwischendurch übermannte mich hin und wieder die Müdigkeit. Ich döste etwas vor mich hin, um mich danach wieder dem Blick aus dem Fenster zu widmen. Stunde um Stunde zog so dahin.
Die Zwischenlandung in Bangkok brachte eine ersehnte Abwechslung in den Flug. Immerhin wurde die Gesamtflugzeit bis Melbourne mit 20h 50min angegeben. Seit Beginn des Fluges hatte ich schon einiges an Kaffee und Mineralwasser getrunken. Die Folge war, dass ich mindestens 2 Gänge zur Toilette pro Stunde benötigte. An Bewegung hatte es mir auf dem Flug also nicht unbedingt gemangelt. Nichtsdestotrotz war ich froh, als der Landeanflug auf Melbourne anstand. Hier hieß es dann, den Flieger zu wechseln.

 

Zwischenlandung in Melbourne - © 2001