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Tagebuch | Dienstag, 23. Oktober 2001
Christchurch
Als ich munter wurde, entrann mir als erstes ein kleiner Fluch. Mein Blick war nämlich unwillkürlich auf die Uhr gefallen und die zeigte mir 05:42 an. Und die Zeit bezog sich auf den frühen Morgen. Was mich dann allerdings wunderte, war, dass ich mich putzmunter fühlte. Darum war ich mir auch nicht sonderlich gram.
Ich beschloss aus der Not eine Tugend zu machen und den Tag einfach etwas früher zu beginnen. Schnell hatte ich mich fertig gemacht und meine Sachen für die Weiterfahrt wieder verstaut. Dann schnappte ich mir meine Kamera und ging auf "Fotosafari". Gerade am Morgen ist das Licht zum Fotografieren einfach super. So hatte ich Gelegenheit mir die Christchurch Cathedral aus verschiedenen Winkeln anzuschauen. Ganz besonders hatte es mir eine Jesus-Statue angetan.
Schnell verstrich die Zeit. Auch mein Magen meldete sich und zeigte mir an, dass er schon wieder Hunger hatte. An das Essen musste ich mich erst gewöhnen. Der englische Einfluss war nicht zu verheimlichen. Als unser Guide Karsten kam - er stammt übrigens aus Hamburg und wanderte vor einigen Jahren nach Neuseeland aus - waren wir schon für die Weiterfahrt fertig. Zuerst sollte heute eine kleine Stadtrundfahrt erfolgen, bevor es dann weiter ging zu unserem ersten Etappenziel - Twizel. Wir fuhren auf eine Anhöhe, von der wir einen herrlichen Blick auf Christchurch hatten und auch unser erstes gemeinsames Gruppenbild schießen konnten. Das ermöglicht mir, unsere Gruppe kurz einmal vorzustellen. Wie bereits erwähnt waren alleine 7 Leute von uns aus Berlin und nur einer kam aus Düsseldorf. Von links nach rechts: Wilfried, dann Dirk aus Düsseldorf, Simone, Ute, Kerstin, Brigitte mit Mann Werner und ganz rechts Karsten, unser Tourguide.
Um es vorweg zu nehmen, irgendwie waren hier die richtigen Leute am richtigen Ort. Wir waren eine dufte Truppe und hatten echt eine Menge Spaß miteinander. An dieser Stelle gleich noch mal ein Dankeschön an Karsten, der unsere zum Teil recht alberne Gruppe toll betreute.
Unser Weg führte uns durch die Ebene Richtung Berge. Kurz vor dem Burkes Pass hielten wir, um eine Besonderheit zu bewundern - den Schuhzaun. Irgendwann Anfang der 90er hat wohl ein Farmer ein paar Schuh an diesen Zaun gehängt. Entweder gewollt oder auch ungewollt hingen sie dann da so vor sich hin.
Bis irgendwann eines Tages jemand auf die Idee kam, zu dem einen Paar noch ein zweites Paar aufzuhängen. Und wo sich zwei Paare befinden, lassen natürlich viele weitere nicht mehr lange auf sich warten. Und so kam eins zum Anderen und jeder der daran vorbeifuhr oder auch -lief, hängte einen einzelnen Schuh oder auch ein ganzes Paar dazu.
Die Weiterfahrt dauerte nicht mehr allzu lange. Dann endlich gelangten wir an den Lake Tekapo. Ein Gletschersee von einer traumhaften Farbe.
Dieser See, wie auch der Lake Pukaki, gehört zu den Stauseen in der Makenzie-Hochebene, die einen Großteil der Stromversorgung von Neuseeland übernehmen. Insgesamt sind es wohl sechs Seen, die, miteinander verbunden, zu einem riesigen Energieprojekt gezählt werden.
An einem Hydro Canal - die Verbindung zwischen Lake Takepo und Lake Pukaki - starteten wir mit unseren Fahrrädern und konnten unsere ersten Kilometer "abstrampeln". Es dauerte mir natürlich alles viel zu lange, bis die Räder alle vom Hänger heruntergenommen und fertig montiert waren. Doch dann ging es endlich los. Meine Beine strampelten, und ehe ich mich versah, war ich auf und davon. Die anderen fielen zurück, aber das war mir jetzt erstmal egal. Ich wollte jetzt so richtig lospowern.
Und das tat gut ...
Auf halber Strecke hielten wir an einer Lachsfarm - gibt es hier wirklich - und deckten uns mit frischem Lachs ein. Am Abend in unserer Unterkunft in Twizel machten wir daraus unser erstes selbstgemachtes Abendessen. Und es schmeckte einfach toll. Gegen 22:30 zogen wir uns jeder in seine eigene Hütte zurück. Ich war satt, müde, glücklich und so fiel ich dann auch gleich ins Bett.






