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29.7.2010 : 18:48

Tagebuch | Sonnabend, 27. Oktober 2001

Lake Wanaka - © 2001

Sturzfahrt nach Haast

Und wieder einmal war die Nacht für mich vor Sonnenaufgang zu Ende. Diesmal hatte mich jedoch der Wecker aus dem Schlaf gerissen. Dirk und ich hatten am Abend zuvor beschlossen, etwas um den See herumzufahren und den Sonnenaufgang zu beobachten. Der Service, auf dem Zimmer Wasserkocher, Tee, Kaffee und entsprechendes Geschirr zu haben, den wir in bisher in allen Motels vorfanden, ist eine richtig tolle Sache. So war ich wirklich munter, als Dirk und ich losradelten. Wir nahmen einen Wanderweg, auf dem wir dann allerdings auch mal vom Fahrrad absteigen mussten. Mitten über den Weg führte hin und wieder ein Zaun, der nur mit Hilfe der vorhandenen Treppen überwunden werden konnte. Die weidenden Schafe nahmen unsere Anwesenheit, mehr oder weniger gelassen, zur Kenntnis.

Der Sonnenaufgang war herrlich anzuschauen. Nach der Rückfahrt hatten wir uns das ausgiebige Frühstück, diesmal bei Werner und Brigitte, redlich verdient. Besonders schmeckte an diesem Morgen der Obstsalat, der extra von Werner gemacht worden war.

Lake Wanaka - © 2001

Erstes Etappenziel an diesem Tag waren die Blue Pools am Makarora River. Hier sammelt sich Schmelzwasser aus den Southern Alps in kleinen Becken. Und das Ganze war nur über eine Hängebrücke zu erreichen. Leider habe ich hier bei den Fotoaufnahmen gepennt und schlicht die falschen Einstellungen getroffen. Daher von hier leider keine Bilder. Ich stieg am Haast-Pass wieder aufs Rad. Einige andere hatten schon den Anstieg zum Pass mit dem Rad bewältig. Ich aber hatte noch von der Crown Range genug, und genoss die Aussicht während der Fahrt mit dem Bus.

FKK für Schafe ... - © 2001

Die Abfahrt verlief ziemlich dramatisch und zeigte uns, dass das Wetter recht launisch sein kann. Hatten wir am Pass noch strahlenden Sonnenschein gehabt, so kamen bei der Abfahrt sehr schnell Wolken auf, aus denen ein regelrechter Platzregen folgte. Das der Regen uns, ausgerechnet an einem der steilsten Abschnitte der Strecke erwischte war ausgesprochenes Pech. Beim abbremsen kam ich auf losem Schotter ins rutschen und stürzte kopfüber in den Regenkanal, der neben der Straße verlief. Glück im Unglück hatte ich dabei aber allemal. Dank Sturzhelm hatte mein Kopf nichts abbekommen. Mein linkes Knie war aufgeschlagen und am rechten Bein hatte ich eine ganze Reihe von Schürfwunden. Zu guter Letzt erhielt ich, als Andenken, noch einen riesigen blauen Fleck am linken Oberarm.
Wesentlich schlimmer erwischte es aber Brigitte. Ein Stück weiter unten stürzte auch sie und blieb bewusstlos liegen. Simone war sofort bei ihr und leistete Erste Hilfe. Karsten hatte mich ja aufgenommen und verarztet, so waren wir einiges hinter der Gruppe. Als wir bei Brigitte und Simone ankamen, half noch ein zufällig vorbeigekommener britischer Arzt. Brigitte war äußerst verwirrt, hatte überhaupt keine Ahnung was passiert war und wo sie sich befand.

Hubschrauber für Gitta - © 2001

Nun waren wir hier ja so ziemlich in der Wildnis. Es blieb uns nichts anderes übrig, als Brigitte selber zur nächsten Krankenstation zu bringen. Auf der mehr als einstündigen Fahrt nach Okuru wurde Brigitte - Gott sei Dank - schon wieder klarer im Kopf. Äußerlich hatte sie eine riesige Prellung im Gesicht und Schürfwunden an Händen und Armen. Da sie allerdings auch Schwierigkeiten beim atmen hatte, befürchteten wir, dass auch innere Verletzungen vorliegen könnten. In der Ersten Hilfe Station in Okuru wurde sie soweit wie möglich verarztet. Schnell wurde klar, dass eine genaue Untersuchung von Kopf und Brust in Greymouth nötig war. Greymouth, rund 320 Km entfernt, war die nächste Stadt mit Röntgengeräten. Ein Transport mit dem Auto schied für Brigitte aber aus. War ihr bei der normalen Busfahrt schon nicht wohl, so war im jetzigen Zustand an eine 5-Stunden-Fahrt im Krankenwagen nicht zu denken. Einen Rettungshubschrauber wollte jedoch die Krankenversicherung nicht bezahlen. Hier sei die Hilfsbereitschaft der Neuseeländer hervorgehoben. In Haast gab es nämlich einen Verein, der in solchen Fällen Hubschaubereinsätze unterstützte. Zwar war es kein richtig ausgestatteter Rettungshubschrauber mit dem Brigitte dann transportiert wurde, aber sie kam schnell nach Greymouth. Die dortigen Untersuchungen ergaben dann, dass außer dem blauen Gesicht, den Prellungen und Schürfwunden an Händen und Armen so weit alles ok war. Brigitte sollte aber noch ein paar Tage in Greymouth zur Beobachtung und zur Erholungn bleiben. Wir holten sie dann nach 2 Tagen ab, denn die Stadt lag mit auf unserer Route. Karsten, der mitgeflogen war (Danke!), blieb auch über Nacht dort und kehrte erst am nächsten Tag mit dem Bus wieder zurück. Wir anderen aßen zu Abend und fuhren eine kleine Runde mit dem Rad. Mir taten zwar etwas die Knochen weh, doch die Fahrt zum Haast-River war nicht weiter anstrengend. Kaputt und erschöpft schlief ich dann sehr schnell ein, als ich erstmal im Bett lag.

Strand bei Haast - ©