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Tagebuch | Sonntag, 28. Oktober 2001
Besuch der Jackson Bay und Weiterfahrt nach Fox Glacier
Der heutige Tag stand noch ganz unter den Ereignissen des Vortages. Mir taten alle Knochen weh und am linken Oberarm zeigte sich mittlerweile ein ausgewachsener Bluterguss. Auch mein rechtes Handgelenk, das gestern noch ganz ok schien, schmerzte heute bei jeder Belastung.
Brigitte wussten wir gut aufgehoben in Greymouth und die Untersuchungen hatten ergeben, dass ihr schlimmeres nicht widerfahren war. So standen Kerstin, Simone, Ute, Dirk und ich früh um 6:00 mit den Rädern parat, um einen kleinen Abstecher zur Tasmanischen See zu machen. Nur wenige Kilometer entfernt, hatten wir sie aber noch nicht zu Gesicht bekommen.
Gleichzeitig wollte ich natürlich auch sehen, wie dass mit dem Fahrradfahren heute bei mir aussah. Ging alles oder tat noch irgendetwas anderes weh. Nach einer Weile spürte ich, dass es doch ganz gut lief. Das Handgelenk schmerzte noch etwas, aber ansonsten war alles in Ordnung. Es waren wirklich nur einige Kilometer bis zum Meer und der Anblick entlohnte mal wieder für das frühe Aufstehen. Wir schmeckten das Salz der See auf unseren Lippen und mit den Bergen im Hintergrund bot sich ein herrliches Panorama. Langsam begann sich die Sonne hinter den Bergen zu erheben und so ergab sich auch noch ein herrlicher Sonnenaufgang.
Wir waren aber nicht die Einzigen, die schon so früh munter waren. Auch ein Austernfischer mit seinem markanten langen orangefarbenen Schnabel lief ganz aufgeregt (oder auch nicht) umher und stocherte in dem zahllosen Treibholz herum, das am Stand verstreut lag.
Zu 08:00 war Frühstück bestellt worden und so machten wir uns bald wieder auf ins Hotel. Die Zimmer waren übrigens super. Große Betten und jede Menge Kissen, so wie ich es gerne habe. Karsten erwarteten wir erst gegen Mittag zurück. Er hatte aber noch dafür gesorgt, dass wir uns nicht langweilen mussten. Ein Bekannter des Motelbesitzers, fuhr uns mit unserem Bus zur Jackson Bay. Hier waren unter Umständen sogar Pinguine zu sehen. Außerdem hatte die Gegend eine recht interessante, aber vor allem traurige Geschichte.
Sie begann Anfang 1875 als die ersten Siedler die Jackson Bay betraten und versuchten hier sesshaft zu werden. Heute besteht der gleichnamige Ort aus nur wenigen Häusern, einer Anlegestelle und hin und wieder den Pinguinen. Die Fahrt dauerte gut 1 Stunde und es begegnete uns kein anderes Fahrzeug. Die Vorstellung dieser Einsamkeit löste in mir recht unterschiedliche Empfindungen aus. Zum einen fand ich es toll, dieses Wissen um die Menschenleere, zum anderen machte es mir doch etwas Angst, denn die Vorstellung hier alleine in einer Notsituation zu sein behagte mir gar nicht. Allzu lange blieben wir nicht in Jackson Bay. Kurz nach unserer Rückkehr traf auch Karsten wieder bei uns ein. Zügig machten wir uns dann auf den Weg nach Fox Glacier.
Um etwas von der Zeit wieder einzuholen, die wir durch die Unfälle eingebüßt hatten, verzichteten wir auf das Fahrradfahren und fuhren mit dem Bus durch bis Fox Glacier. Kurz nach unserer Ankunft machten wir uns natürlich gleich auf den Weg zum Gletscher. So ein richtiger Gletscher ist mir ja doch noch nicht unter gekommen und ich war sehr gespannt auf den Anblick der sich mir bieten sollte. Und wieder mal zeigte sich wie beeindruckend die Natur in Neuseeland sein kann. Den Gletscher zu sehen, die Kälte zu spüren und zu Wissen, dass man sich trotzdem im tropischen Regenwald befindet, ist schon ein tolles Erlebnis.





