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29.7.2010 : 18:47

Tagebuch | Montag, 5. November 2001

Halbe Weg zum Gipfel - © 2001

Abenteuer am Mt. Tongariro
Am Morgen herrschte ein Bombenwetter. Die Sonne schien und es zeigte sich kaum eine Wolke am Himmel. Auch der Gipfel des Mt. Tongariro war Wolkenfrei - Voraussetzung, dass wir unsere Tour überhaupt machen konnten. Um es vorweg zu nehmen, hätte ich vorher gewusst was auf mich zukam, ich wäre einfach im Bett liegen geblieben. Von wegen Ruhetag und so ...
Vom Motelbesitzer wurden wir mit einem Bus bis zum Mangatepopo Hut gebracht. Hier war ein Ausgangspunkt um verschiedene Wanderungen auf und um Mt. Tongariro und Mt. Ngaurohoe zu unternehmen. Mit 1968m ist der Mt. Tongariro der kleinste der 3 Berge im National Park.

Hochplateau - © 2001

Für uns war es allerdings hoch genug. Was ich nämlich nicht wusste und die anderen ebenso wenig war, dass die Tour uns tatsächlich über den Gipfel führte und nicht etwa irgendwie außen herum. Der Anstieg auf die Erste Hochebene war schon ziemlich anstrengend. Es ging über poröses Vulkangestein ziemlich steil in die Höhe. Hier gab es keine angelegten Wege oder Pfade. Auch waren keine Stufen in den Felsen gehauen und einen Fahrstuhl gab es auch nicht. Schnell wurde klar, dass es nur eine Marschrichtung geben konnte, nämlich aufwärts. Die steilen Bergkanten hinab zusteigen schien uns dann nämlich noch abenteuerlicher als der Aufstieg.

 

 

Der Gipfel - © 2001

Beim Erreichen des schneebedeckten Plateaus dachten wir schon wir hätten es geschafft. Weit gefehlt. Einige andere - es waren eine ganze Reihe von Leuten hierher gekommen - hatten das Plateau schon überquert und waren schon mit dem weiteren Aufstieg beschäftigt. Wir machten allerdings erstmal eine kleine Pause und genossen die Aussicht. Aufgrund der klaren Luft hatte man eine Weitsicht die einfach einmalig war. In der Ferne zeigte sich majestätisch der Mt. Egmont (2518m) - auch Mt. Taranaki genannt, und das waren immerhin rund 150Km.

 

 

Der Weg hinab - © 2001

Bei der Überquerung des schneebedeckten Plateaus (ein alter Krater) kam mir doch schon der Gedanke wieder umzukehren. Die Luft in rund 1600m Höhe ist nun doch schon etwas dünner und die Aussicht noch fast 400m höher zu kraxeln gefiel mir nun ganz und gar nicht. Es ging allerdings nicht nur mir so. Auch die anderen hatten sich unter dieser Tour etwas anderes vorgestellt. Doch mit gegenseitiger Motivation gelang es uns den Gipfel zu stürmen. Dabei mussten Karsten unten im Ort die Ohren ganz schön geklingelt haben. Denn in Gedanken haben wir schon recht unschöne Sachen mit ihm angestellt.

 

 

Den Gipfel zu erklimmen war eine Sache. Oben zu stehen und zu sehen wie steil es auf der anderen Seite wieder bergab ging, eine ganz Andere. Hier, bei diesem lockerem Geröll und dem Schnee, der locker oder schon festgetreten war, halfen nur noch Stoßgebete um alle möglichen Schutzengel um sich zu scharen. Erst als ich schon wieder einige Meter vom Gipfel entfernt war gelang es mir wieder einen Blick für die Landschaft übrig zu haben. Und die ist nun einfach umwerfend gewesen. Nicht nur die mit Wasser gefüllten Krater, auch die giftigen Schwaden, die aus dem Berg drangen und der Blick in die Ferne waren schon atemberaubend (im wahrsten Sinne des Wortes). Etwas unterhalb des Gipfels machten wir noch mal eine kleine Pause.

 

 

Katerseen am Mt. Tongariro - © 2001

Unsere Adrenalinspiegel senkten sich und wir waren froh heil bis hier gekommen zu sein. So richtig böse konnte ich Karsten aber nicht sein. Hätte er vorher erzählt was auf uns zukommt, hätte ich die Tour vermutlich nicht gemacht und damit schon ein einzigartiges Erlebnis versäumt. Der weitere Abstieg verlief dann entspannt durch alle Vegetationszonen bis in den dichten Wald.

 

 

Dämpfe aus der Tiefe der Erde - © 2001

Einige Zeit bevor uns der Bus wieder abholen wollte, trafen wir am vereinbarten Treffpunkt ein. Die Zeit nutzten wir zu einem kleinen Nickerchen, um uns von den Strapazen zu erholen. Am Abend war dann Bilder gucken angesagt. Alle Aufnahmen hatte ich ja mit meiner Digitalkamera gemacht und dank Laptop konnte ich damit den Daheimgebliebenen gleich zeigen, was für Abenteuer wir bestanden hatten. Ziemlich kaputt schleppte ich mich dann irgendwann zum Bett, in das ich fiel und auch sofort einschlief.

 

 

Wald am Fuß des Mt. Togariro - © 2001